Der Wechsel von Lightroom zu Capture One – Es beginnt…

Ein erstes Bild mit Capture One

Ein Wechsel von Lightroom auf Capture One? Lange schon hab ich mir überlegt, von Lightroom auf einen anderen RAW Converter zu wechseln. Ich glaube, dass geht vielen LR Benutzern so: Sei es weil die Performance immer wieder eine Herausforderung darstellt. Oder das Thema Abo. Oder fehlende Features. Oder fehlerhafte Features. Oder Oder Oder. Einen Grund für Wechselgedanken gibt es immer. Aber – machen wir uns nichts vor – auch bei anderen Konvertern gibt es Nutzer mit den gleichen Überlegungen. Es ist halt oft nur das Gras, das grüner auf der anderen Seite ausschaut.

Das es bei mir jetzt konkret wurde hängt mit der Tatsache zusammen, dass ich vor einem Jahr angefangen habe, von Nikon auf Fuji zu wechseln. Erst im gemischten Doppel und seit diesem Sommer komplett (X-T20, X-H1). Und aktuell unterstützt LR den X Sensor von Fuji einfach nicht gut genug – die Bilder sehen, wenn konvertiert, einfach nicht richtig gut aus.

Konkret das Thema Schärfe ist ein Punkt – über den schon hinreichend im Netz diskutiert wurde. Da ist LR einfach noch nicht weit genug. Aber wenn etwas passen muss, wenn man photographiert, dann sind es zumindest für mich die Grundlagen und dazu gehört das Thema Schärfe. Es gibt für LR Benutzer als Zwischenschritt den Iridient Transformer, der das Demosaicing gut hinbekommt. Aber dann ist die RAW Datei verarbeitet – und ich hänge an meinem Original (wie ich seit diesem Jahr fest gestellt habe :-)) und möchte die Dateien nicht explizit doppelt halten.

Es geht los

So – nach all diesen Überlegungen kam der Entschluss doch beim Nachbarn zu schauen. Nachdem ich mir Luminiar geholt und dieses am Ende aber doch als zu „Preset-lastig“ empfunden habe, bin ich bei Capture One (C1) gelandet. Zunächst abgeschreckt vom Preisschild habe ich mir dann einmal die 30 Tage Testversion geholt und installiert.

Von Anfang an kam ich mit der Bedienung von C1 gut zurande. Das Interface war bzw. ist mir sehr vertraut, große Umgewöhnungsschwierigkeiten gab es für mich nicht. Ich benötigte nicht einmal den „Migrations-“ Modus, der die Oberfläche ähnlich zu der von LR gestaltet. Vielleicht bin ich da einfach simpel gestrickt, aber ob ich nun auf ein Button „Library“ klicke oder auf ein entsprechendes grafisches Symbol ist mir im Grunde wurscht. Und die Aufteilung der Bearbeitungselemente für Belichtung, Schärfe, Farben etc. war jetzt auch keine große Herausforderung. Daher war das Thema „Anderes UI“ schnell durch.

Die Bearbeitungsgeschwindigkeit ist angenehm, auch wenn es nicht wirklich eine Rakete gegenüber LR ist. Aber generell flotter ist C1 und es gibt auch kein „Langsamwerden“ nach 2 Stunden Arbeit wie bei LR. Die Farbbearbeitung ist klasse, das Layerprinzip ist für mich angenehmer als bei LR.

Aber auch: Hart ist für mich der Verlust des Map Moduls. Klar braucht man für Portraits keine GPS Koordinaten, aber ich mache auch viel Travel (schöne Beschreibung für Urlaubsphotos…), Land- und Cityscape. Und da finde ich die zumindest ungefähre Ortsangabe hilfreich. Und sei es nur um sich die Reise noch mal in Erinnerung zu rufen.

Das fehlende Exportmodul hin zu flickr war am Anfang ebenfalls ein Problem – es ist auch wirklich mit LR zu einfach, schnell mal 300+ Bilder einer Reise hochzuladen. Und vor allem: Bilder zu aktualisieren. Da muss ich mir noch einen neuen Workflow überlegen,

Die Entscheidung

Was mich aber verblüfft hat war die Qualtität der Bilder unmittelbar nach dem Import. Das war in LR so nicht der Fall. Und beim Schärfen gibt es deutlich weniger Probleme, die „Würmchen“ aus LR gibt es nicht. Und somit war dass dann letzten Endes der Ausschlag für den Wechsel. Also quais, noch bin ich „auf Probe“ 🙂

Weniger relevant für mich persönlich ist das Thema Abo: Denn erstens gebe ich viel Geld für Objektive, Bodys und Zubehör aus (und ja, wir reden über Beträge im 4-stelligen Betrag und das auch nur weil ich nur ein kleiner Amateur bin), da rege ich mich nicht über 11€ im Monat auf. Und zweitens ständig die neueste Version direkt geliefert zu bekommen fand ich auch ganz charmant.

ABER: Die Herausforderung wird jetzt trotzdem die Migration sein. Denn ich habe ca. 20K Photos – was mache ich jetzt mit denene. Alle fein säuberlich in DNG beim LR Import gewandelt (dafür könnte ich mir jetzt immer noch in den Hintern beissen…), alle verschlagwortet, alle in Sammlungen vergraben. Was machen damit?

Start frei

Und das ist der eigentliche Grund für diesen Beitrag: Mal die Gedanken veröffentlichen wie ich mir das aktuell so denke, denn dazu habe ich im Netzt nicht allzuviel gefunden..

Übernahme

Grundsätzlich kann man sich eine 1:1 Übernahme der Bildbearbeitung alter Bilder abschminken. Die Information, was an einem Bild geändert wurde, ist logischerweise hersteller-spezifisch, da nur der Hersteller das Wissen hat, wie er z.B. eine Gradientmaske intern abspeichert. Oder wie Stempelausschnitte verwaltet werden. Lediglich Basis-Infos wie Belichtung, Farben, Weißabgleich oder Ausschnitt können übertragen werden. Nach den ersten Versuchen eines Imports zu urteilen klappt das auch ganz gut. D.h. recht simpel bearbeitete Bilder (klassischerweise Urlaub und Großveranstaltung) können ansatzweise gut übernommen werden.

Aber alles andere? Das ist jetzt die Frage. Aktuell in der Überlegung ist es, alle Bilder als JPG oder TIFF zu exportieren um damit auf jeden Fall eine Version der finalen Bearbeitung aus LR zu erhalten. Und dann zusammen mit den DNGs in C1 zu importieren. Viele Bilder fässt man ja nach 1 oder 2 Jahren gar nicht mehr wirklich an, so dass man mit diesem Prinzip die Möglichkeit hätte, sowohl die finale Version noch einmal zu veröffentlichen oder aber, wenn wirklich noch einmal Bedarf an Bearbeitung da ist, auf der DNG Datei aufzusetzen. Die Frage wäre dann: Reicht JPG oder TIFF? Und wenn letzteres – 8 oder 16 bit?

Kataloge oder Sessions oder ???

Neben der Frage des Formats ist auch die Frage, ob in C1 wirklich ein Katalog verwendet werden soll? Klar, als LR Benutzer sagt man sich am Anfang sofort: „Cool, Katalog. Kenne ich. Will ich auch wieder haben“. Dann aber sieht man dass C1 auch Sessions anbietet. Und liest das C1 die Previews innerhalb der Katalogstrukturen speichert. Damit aber kann es bei großen Katalogen zu Performanceschwierigkeiten kommen – und das war ja ggf ein Argument um nicht bei LR zu bleiben 🙂

Für Unwissende: Sessions sind anders als Katalog an ein bestimmtes Verzeichnis gebunden. D.h. die in einem Verzeichnis enthaltenen Dateien stellen die Session dar. Änderungen werden als Sidecar Datei pro RAW Datei gehalten.

Es gibt pro Session eine Sessiondatei, die enthält aber nur sehr wenige Informationen wie z.B. die enthaltenen Dateien der Session. Sie liegt ebenfalls in dem Verzeichnis. D.h. alles Wichtige der Session ist zusammen in einem Verzeichnis enthalten. Somit kann eine Session schnell zwischen verschiedenen Laufwerken und Rechnern ausgetauscht werden da es keine zentrale Ablage wie bei einem Katalog gibt.

Sessions klingen daher, wenn man sich etwas mehr mit ihnen auseinandersetzt, recht interessant: Handlich, schnell, gut um auf verschiedenen Rechnern damit zu arbeiten. Robust gegen Probleme mit der „Basisdatei“.

Für LR-Katalog-Menschen klingen Session SEHR ungewöhnlich. „Dann habe ich ja gar keinen Überblick über meine Photos mehr“ war meine erste Reaktion. Aber wenn ich es recht überlege: Mein LR Katalog ist nach Jahren, Monaten und Aufnahmeevents innerhalb eines Monats strukturiert. Wenn ich nach alten Bildern suche, gehe ich meistens direkt über diese Struktur in das gewünschte Event hinein, z.B. „Urlaub in Norwegen Mai 2018“. Oder „Shooting mit Bea im Februar 2017“. Ich habe kaum die Anforderung, über Ordner hinweg zusammenhängend Bilder sehen zu wollen.

Eine Ausnahme sind Bilder von Städten und Landschaften die ich öfters besuche: Ich mache viele Bilder in Hamburg, teile diese dann auf Stadtteile auf und veröffentliche sie dann wiederum zusammengefasst in verschiedenen Alben. Hier bräuchte ich das Prinzip eines Katalogs, der Sammlungen anbieten kann die mit Schlagwörtern arbeiten. Das kann C1.

Daher wäre es aber für einen Großteil meiner Photos aber eigentlich egal ob ich innerhal von LR in das Verzeichnis im Katalog wechsel und die Bilder dort öffne oder aber ich in C1 über das physische Verzeichnis in das Verzeichnis wechsel und dort die Session öffne. Ich nehmen an, es ist höchstens ein Geschwindigkeitsvorteil weil in LR sofort auf die Previews zugegriffen werden kann während in C1 die Session erst geöffnet werden muss, um die Previews anzuzeigen. Aber sofort kommt die Frage: Wie oft passiert das wirklich? Vor allem mit älteren Bildern?

Daher ist meine aktuelle Überlegung ein Mischmodus zu fahren: Grundsätzlich Sessions zu verwenden und nur dort, wo „übergreifender“ Zugriff nötig ist, auf einen oder mehrere Kataloge zuzugreifen. Ich könnte mir auch vorstellen, die Bilder der letzten 12 Jahres immer im Katalog zu haben (weil ich merke dass ich auf Bilder der letzten 12 Monate immer recht oft zugreife) und sie dann nach und nach in Sessions auszulagern. Auch darüber könnte man nachdenken.

Strukturen

Auf jeden Fall werde ich meine Verzeichnisstruktur etwas anpassen. Die reines Jahresstruktur werden ich um „Kernthemen“ erweitern. D.h. es wird auf oberster Ebene „Shooting“, „Travel“ , „City“ etc geben und erst darunter wird die Jahresstrukturierung beginnen. Einfach um einen schnelleren Einstieg auch schon über die physische Struktur zu haben.

Wichtig finde ich bei allen Überlegungen den folgenden Gedanken: Es ist zwar der erste große Wechsel – aber es wird nicht der letzte sein. Ob ich in 10 Jahren immer noch auf C1 schwöre oder dann finde, dass das Programm X viel besser zu mir und meiner Kamera passt, weiß ich ja nicht. Aber ich weiß, es wird irgendwann wieder dazu kommen.

Daher so finde ich es hilfreich, sich jetzt Gedanken darüber zu machen, wie man sich besser auf das Themen vorbereitet. Und wie in einem anderen Artikel (ich hoffe ich finde noch den Link) sehr gut beschrieben ist: Wenn etwas in der Informatik auch noch in 10 Jahren höchstwahrscheinlich Bestand haben wird, dann sind es Verzeichnisstrukturen. Und daher ist eine Ausrichtung an Verzeichnissen, nicht an Hersteller-spezifischen Katalogfunktionen, sicher keine allzu schlechte Idee.

Das sind jetzt alles theoretische Gedanken – ich bin ja noch in der Überlegungsphase. Aber ich bin gespannt wo es hingeht. Z.B. zum nächsten Artikel zundiesem Thema 🙂

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